Pressefreiheit gilt auch für die Brigitte

Heißa, was für eine Aufregung: Das Oberlandesgericht München hat die Presseplätze für den NSU-Prozess neu vergeben – besser gesagt: Es hat sie verlost. Und jetzt ist die Empörung groß. Die FAZ ist nicht dabei! Die taz auch nicht! Die Welt nicht! Der Stern nicht! DIe Zeit auch nicht! Dafür unter anderem Kabel 1, Ebru TV, Charivari, Radio Lotte Weimar – und die Brigitte (die vollständige Liste gibt es hier).

Und schon ist das Wehklagen groß: „Ein schlechtes Los“, schreibt Spiegel Online, „Eine Liste wie eine Farce“, ergänzt sueddeutsche.de. Und wie so oft, wenn Medien in eigener Sache berichten, wird vor lauter hyperventilieren nicht mehr ganz so genau auf die Fakten geachtet. „Pressefreiheit gilt auch für die Brigitte“ weiterlesen

Ein spanischer Feiertag in Dortmund

Vor dem Champions-League-Halbfinalspiel zwischen dem BVB und Real Madrid (4:1) war ich in Dortmund unterwegs, um ein bisschen live von der Stimmung zu tickern. Außerdem war ich abends natürlich im Stadion dabei. Herausgekommen sind dieser Live-Ticker, ein Text zum Empfang von Mario Götze, die Einzelkritik – und jede Menge Bilder, die ich hier einfach mal ungeordnet und unkommentiert zeigen will. „Ein spanischer Feiertag in Dortmund“ weiterlesen

Eine Woche Borussia

Die abgelaufene Woche stand bei mir im Zeichen des Fußballs: Donnerstag Pressekonferenz bei Borussia Dortmund, Samstag bei der Partie des BVB gegen SC Freiburg und Sonntag beim Spiel der Gladbacher Borussia gegen Hannover 96. Besonders interessant war die Begegnung am Samstag: 40 Minuten lang war von Dortmund nichts zu sehen, Freiburg spielte geschickt und technisch anspruchsvoll, führte vollkommen verdient mit 1:0 – und in nur wenigen verrückten Minten drehten die Dortmunder vor der Pause das Spiel: Drei gelungene Aktionen bedeuteten das 3:1.

Über all das habe ich den einen oder anderen Artikel verfasst, eine willkürliche Auswahl gibt es hier:

BVB – Freiburg 5:1

Rauschender BVB-Sieg mit großem Auftritt von Sahin
Der 5:1-Sieg über den SC Freiburg war das Spiel des BVB-Rückkehrers Nuri Sahin. Mit zwei Treffern machte der Dortmunder die Partie zu seinem großen Auftritt. Auch Torjäger Robert Lewandowski traf gegen die Breisgauer doppelt. Den Schlusspunkt setzte der eingewechselte Leonardo Bittencourt. Weiterlesen

Sahins starker Auftritt gibt BVB-Trainer Klopp neue Optionen
In seinem zweiten Spiel von Beginn an hat BVB-Rückkehrer Nuri Sahin mit starker Leistung überzeugt. Seinem Trainer Jürgen Klopp eröffnen sich damit im Mittelfeld neue Optionen: Je nach Gegner, Form und Fitness kann er auf Formationen mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen zurückgreifen. Weiterlesen

Bittencourt freut sich über erstes Tor im zweiten BVB-Spiel
Er gilt als eines der größten deutschen Mittelfeld-Talente: Leonardo Bittencourt, der im Sommer für rund drei Millionen Euro von Energie Cottbus zu Borussia Dortmund wechselte. Gegen den SC Freiburg kam er zu seinem zweiten Bundesliga-Einsatz und konnte gleich sein erstes Tor bejubeln. Weiterlesen

Borussia Mönchengladbach – Hannover 96 1:0

Gladbach stapelt nach Heimsieg über Hannover 96 weiter tief
Mit dem 1:0-Heimsieg gegen Hannover 96 hat Borussia Mönchengladbach einen großen Schritt in Richtung internationales Geschäft gemacht, man ist nun punktgleich mit Rang sechs. Doch im Verein tritt man auf die Euphoriebremse und will von der Europa League noch nicht sprechen. Weiterlesen

Gladbach verteilt das Reus-Erbe auf mehreren Schultern
1:0 hat Borussia Mönchengladbach gegen Hannover 96 gewonnen. Und obwohl nur ein Tor fiel, zeigten die Borussen dabei eine ansprechende Offensivleistung – und einige Spieler das Potenzial, bald aus dem Schatten von Marco Reus zu treten. Gladbachs Manager Max Eberl sieht eine „sehr gute Mischung“ im Angriff. Weiterlesen

Wieder Matchwinner – Luuk de Jong in Gladbach angekommen
Gegen Hannover 96 hat Stürmer Luuk de Jong zum zweiten Mal in den vergangenen drei Spielen das entscheidende Tor für seine Mannschaft geschossen. Der Torjäger kommt in Gladbach immer besser zurecht – auch weil Trainer Favre endlich System und Spieler gefunden hat, die zum Niederländer passen. Weiterlesen

Und sonst noch so

„Eine Ente“ – BVB dementiert Gerüchte um Edin Dzeko
Überaus energisch haben BVB-Trainer Jürgen Klopp und Geschäftsführer eine mögliche Verpflichtung des Stürmers Edin Dzeko dementiert. Doch mit ähnlichen Worten wurde schon im Januar ein Wechsel bestritten, der schließlich doch zustande kam. Weiterlesen

BVB wehrt sich gegen Favoritenstatus in der Champions League
Schon vor dem Achtelfinal-Duell mit Schachtjor Donezk war die Zahl derer groß, die dem BVB gute Aussichten auf das Finale attestierten, nach dem überzeugenden 3:0-Sieg dürften es nicht weniger geworden sein. Spieler und Trainer wehren sich noch gegen den Favoritenstatus – nur einer tanzt aus der Reihe. Weiterlesen

Mit falscher Neun – so könnte der BVB gegen Gladbach spielen
Im Bundesliga-Duell gegen Borussia Mönchengladbach fehlen dem BVB gleich beide gelernte Mittelstürmer. Doch das muss den BVB nicht schlechter machen – im Gegenteil. Die Dortmunder könnten mit einer falschen Neun auflaufen – wir erklären, was damit gemeint ist. Weiterlesen

Zeigt uns einfach ein gutes Fußballspiel!

Eines der Mysterien dieser Welt, die ich niemals verstehen werde, ist die Frage, nach welchen Kriterien ARD und ZDF entscheiden, welche DFB-Pokalspiele sie übertragen. Was auch immer dabei ausschlaggebend sein mag, sportliche Kriterien sind es offenbar in der Regel nicht.

In den ersten Pokalrunden ist die Auslese immer relativ einfach: Gezeigt wird der FC Bayern, komme was da wolle. Egal ob der Gegner der BVB oder der FC Oberneuland ist; egal, ob es am gleichen Spieltag drei, vier andere Partien gibt, die problemlos als Spitzenspiel durchgingen. Später wird es dann schwieriger, nämlich dann, wenn man – wie etwa aktuell im Viertelfinale – Rechte an zwei Livespielen hat. „Zeigt uns einfach ein gutes Fußballspiel!“ weiterlesen

Patrick Groetzki und ich

Es war einmal vor längst vergangener Zeit; die Welt war schwarz-weiß, die Erde eine Scheibe und ich im Volontariat in Pforzheim. Eines schönen Tages in jenem Oktober 2006 – ich war als erster in der Sportredaktion und hatte gerade den PC hochgefahren – betrat der Chef vom Dienst das Büro, in der Hand eine Zeitung und im Gesicht nicht eben den zufriedensten Gesichtsausdruck. Warum wir die Sache mit Patrick Groetzki denn nicht größer gemacht hätten, schließlich sei das doch ein Pforzheimer Jung und eines der größten deutschen Talente, die in die Bundesliga wechseln; das könne man doch nicht mit einem Einspalter abhandeln.

Ich versuchte souverän und kompetent zu wirken und versicherte, natürlich wüssten wir um die Wichtigkeit des Themas und würden auch noch mehr machen. Aber er wisse doch, wie das sei, die Meldung sei spät gekommen, die Seite war schon zu, es war keine Zeit und für eine größere Geschichte müsse man ja mit dem Protagonisten selbst, seinem Trainer und noch anderen Leuten sprechen. Nachdem der CvD ein wenig besänftigt das Büro verlassen hatte, schmiss ich Google an und sah erst einmal nach, wer dieser Patrick Groetzki eigentlich ist. „Patrick Groetzki und ich“ weiterlesen

Stevens‘ Rauswurf: Schade, aber überfällig

Huub Stevens
Huub Stevens, nun zum zweiten mal Ex-Schalke-Trainer. Foto: Produnis (CC BY-SA 3.0)

Ein paar Bemerkungen vorweg:

1.) Ich finde es immer sehr schwierig, die Arbeit von Trainern zu bewerten. Als Außenstehender hat man einfach zu wenig Einblick in die tägliche Arbeit. Klar, einige Trainingseinheiten sind öffentlich, aber was wirklich vorgeht im Innenleben einer Mannschaft, zwischen Trainer, Co-Trainer und den Spielern, wer wann wo wie was vorgibt und was davon umgesetzt wird und was eben nicht – all dies erfährt man in der Regel nicht. Und das macht es schwer, die Arbeit eines Trainers zu bewerten – jenseits der nackten Ergebnisse, die eine Mannschaft einfährt. Wenn es sportlich nicht läuft, ist der Trainer die ärmste Sau – siehe das Beispiel Mike Büskens, der in Fürth teils recht ansehnlichen Fußball spielen lässt (zumindest ist eine klare taktische und spielerische Idee vorhanden), dessen Spieler aber ums Verrecken das Tor nicht treffen.

2.) Von Trainerentlassungen halte ich meist nicht viel. Allein die Statistik besagt, dass dies meist nur einen kurzfristigen Aufschwung bringt – wenn überhaupt – und die Ergebnisse eines neuen Trainers keinen Deut besser sind als die seines Vorgängers. Allein deswegen hätte ich mir schon gewünscht, dass Huub Stevens bis zum Saisonende Schalker Trainer bleiben kann, man dann zufrieden auseinandergeht und einen Trainer von dem Schlage hervorzaubert, wie wir ihn mit Rangnick schonmal hatten – einen sogenannten modernen Trainer mit schlüssigem taktischen Konzept und einer klaren Spielidee.

Und trotz dieser Vorbemerkungen: Die Entlassung von Huub Stevens als Schalker Trainer halte ich für richtig. „Stevens‘ Rauswurf: Schade, aber überfällig“ weiterlesen

Die Eigentore der Ultras

Es ist ja nicht so, dass Fußballfans im Allgemeinen und die Ultras im Speziellen derzeit über allzu gute Presse klagen könnten. Vor allem die Polizei und die deutschen Innenminister klagen derzeit lautstark über immer aufwändigere Polizeieinsätze, angeblich steigende Gewalt in und um Fußballstadien, zunehmende Straftaten und mehr Verletzte – beispielsweise in der aktuellen Studie der ZIS. Politik und Polizei erhöhen seit einiger Zeit massiv den Druck auf DFB, DFL und Vereine, doch endlich schärfere Maßnahmen gegen Gewalttäter unter ihren Fans zu ergreifen – auch und vor allem gegen Zuschauer, die Pyrotechnik abbrennen.

Wer sich seriös mit den Verlautbarungen, Argumenten und Statistiken von Polizei und Innenministern auseinandersetzt, wird eine ganze Menge Schwachstellen erkennen – nachzulesen beispielsweise hier. Und die (organisierten) Fußballfans wären gut beraten, auf diese Schwachstellen hinzuweisen und sich mit diesen argumentativ auseinanderzusetzen, was die offiziellen Vertreter auch tun. Denn sie haben viele gute Argumente auf ihrer Seite, mit denen sie auch mehr und mehr in den Medien und der Öffentlichkeit durchdringen. Vieles, was Polizei oder Verbände fordern oder vorhaben – beispielsweise die Ganzkörperkontrollen vor dem Stadion – sind nämlich ausgemachter Schwachsinn und tragen nur dazu bei, Fronten zu verhärten anstatt Probleme zu lösen. Und wer sich mit den sogenannten Studien der ZIS (also der Polizei) auseinandersetzt, wird viele methodische Schwächen finden.

An diesem Wochenende aber haben einige der Ultras sich selbst und den Fanvertretern ziemlich in den Fuß geschossen. Erst zündelten HSV-Ultras in Düsseldorf und entfachten dabei ein Transparent, einen Tag später tat es ihnen wohl die Schalker Ultra-Gruppierung „Hugos“ nach und setzten dabei auch noch die Abdeckung zu einem Ausgang in Brand. Ganz abgesehen davon, was man von Pyrotechnik halten mag – und zu meiner Meinung komme ich noch -, aber die Aktionen in Düsseldorf und auf Schalke waren an Dämlichkeit kaum zu überbieten. Indem man mitten hinein in die aktuelle Sicherheitsdebatte solche Bilder liefert, reißt man mit dem Arsch alle vernünftigen Argumente ein, die man hat oder haben könnte und liefert stattdessen Wasser auf die Mühlen aller Kritiker. Wer gegen schärfere Sicherheitsmaßnahmen oder stärkere Repressionen der Polizei ist, wird nun immer gegen diese Bilder anargumentieren müssen, die zeigen, wie es im Düsseldorfer bzw. Gelsenkirchener Stadion brennt.
„Die Eigentore der Ultras“ weiterlesen

[Update] Echte Liebe, die Kirche und ein BVB-Grabstein

Eins vorweg: Ich halte die katholische Kirche in vielem für eine verstaubte, verkrustete, rückwärtsgewandte Institution – Rolle der Frau, Beteiligung der Laien, der ganze alberne Zinnober im Vatikan sind nur einige der Stichwörter, die mir einfallen. Die Kirche hinkt der Moderne in vielem ziemlich hinterher und ich weiß nicht, ob sie je ankommen wird. Und oft ist die Kirche schrecklich unpragmatisch und dogmatisch, wenn es um aktuelle Fragen und die Anpassung an den Zeitgeist geht – siehe Rolle der Frau, Beteiligung der Laien etc.

Und nun gibt es den Fall des mit neun Jahren an einem Hirntumor gestorbenen Jens Pascal, der gerne einen Grabstein mit BVB-Logo gehabt hätte – den die Gemeinde Mariä Heimsuchung in Bodelschwingh auf ihrem Friedhof aber nicht zulassen will. Und schon ist das Geschrei groß über die Intoleranz, Unmenschlichkeit, Unflexibilität und Menschenfeindlichkeit der Kirche. Die Facebook-Gruppe „Jens Pascal“ hat zigtausende Mitglieder und man muss sich nur mal einige Kommentare durchlesen, um festzustellen, dass die Kirche eher schlecht wegkommt.

Aber warum eigentlich? Natürlich habe ich absolutes Mitgefühl mit den Eltern und ihrer schwierigen Situation, aber es gibt eben auch eine andere Seite. „[Update] Echte Liebe, die Kirche und ein BVB-Grabstein“ weiterlesen

Roman für Deutschland

Seit mehreren Wochen trage ich mich mit dem Gedanken, einen Text zu verfassen, weshalb Roman Neustädter in die Nationalmannschaft gehört. Heute ist mir Joachim Löw zuvorgekommen. Schade für mich, schön für Roman Neustädter. Weil aber immer noch viele mit einem gepflegten „Häh?“ auf diese Entscheidung reagieren, möchte ich trotzdem nochmal aufschreiben, warum ich – und inzwischen wohl auch der Bundestrainer – sehr viel von dem Mittelfeldspieler halte.

Für mich war Roman Neustädter die wichtigste Verpflichtung des Sommers, noch vor Ibrahim Afellay und weit vor Tranquillo Barnetta. Ich war schon ziemlich begeistert, als der Transfer im Januar bekannt wurde, wie dieser Kommentar vielleicht in Ansätzen beweist. Für viele andere war Neustädter aber ein klassischer Ersatzspieler, was damit zu tun hat, dass seine Spielweise meist unauffällig ist – aber im modernen Fußball kaum zu ersetzen. „Roman für Deutschland“ weiterlesen

Die Mauer – Geschichtsstunde mit einer Fünfjährigen

Es treten auf:

  • ein fünfjähriges keckes Mädchen, dass seinem Vater unbedingt eine Unterhaltung aufzwängen will
  • eben jener Vater, der müde ist und darauf eigentlich keine Lust hat, weil er das Kind endlich im Bett haben will.

„Papa, soll ich dir mal was Schlimmes sagen?“

„Erzähl.“

„Es gibt ja einen gelben und einen orangen Teil von Deutschland…“

„???“

„Und irgendwann haben die Leute dazwischen eine Mauer gebaut und alle, die da rüber wollten, wurden eingesperrt. Und manchmal waren sogar Familien nicht auf der gleichen Seite. So als wären – jetzt nur mal als Beispiel – Mama und ich auf der gelben Seite und du auf der orangen. Oder du und ich auf der gelben Seite und Mama auf der orangen. Und die Leute haben nicht miteinander geredet. Aber irgendwann kamen liebere Leute, die haben sich an einen Tisch gesetzt und dann die Mauer weggemacht.“

Da soll nochmal einer sagen, die jungen Leute kennen sich nicht mehr mit der innerdeutschen Geschichte aus.

Update: Ich habe im Kindergarten aufgespürt, woher diese Geschichte kommt. Und, wer hätte es gedacht, mein Arbeitgeber ist schuld: